Die bisher publizierten Simulationen der Ammonothermalsynthese von Nitriden, beschreiben die Temperaturverteilung und das Strömungsmuster während der Kristallzüchtung unzureichend. Sie basieren auf achsensymmetrischen, zweidimensionalen Modellen ohne jegliche experimentelle Validierung. Durch in situ Temperaturmessungen konnte ein globales, thermisches Modell einer Kristallzüchtungsapparatur zum ersten Mal experimentell überprüft werden. Mit Hilfe der validierten Temperaturverteilung entlang der Autoklavenwand, war es möglich ein erstes Strömungsmodell zu entwickeln, welches die Temperatur- und Strömungsverteilung dreidimensional und zeitlich aufgelöst darstellt. Untersuchungen mit verschiedenen Strömungsleitblechen, den sog. baffles, ergaben eine Abhängigkeit der Strömungsrichtung durch das baffle von dessen Neigung. Durch die zeitabhängige Betrachtung der Strömung und Temperatur wurden Fluktuationen aufgezeigt deren Einfluss auf die Wachstumsbedingungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt ist. Die numerischen Simulationen berücksichtigen im Moment sowohl den Rohstoff als auch einen oder mehrere Keime und werden in naher Zukunft um ein chemisches Modell erweitert. In diesem werden die Lösungs- bzw. Kristallisationsvorgänge in einer vereinfachter Form implementiert. Erste Berechnungen zeigten, dass es während der Züchtung unter Umständen zu einer Anreicherung des Mineralisators im Bereich der Kristallisationszone kommen kann und damit zu einer verminderten Wachstumsrate.

links: negativ geneigtes baffle; rechts: positiv geneigtes baffle